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Pastoraler Raum Mettingen Bistum Münster

Eine Idee wird in die Tat umgesetzt

Die Entstehung des Hungertuchs
Vorbereitung und Motive

Für das neue Hungertuch der St. Agatha-Kirche begaben sich Adelheid Dirksmeyer und Elisabeth Engelbert auf eine sorgfältige Vorbereitungsreise. Sie studierten historische und moderne Vorlagen, informierten sich in Fachwerken über Motive, Gestaltungsmöglichkeiten und Klöppeltechniken. Schnell wurde klar: Dieses Werk würde den Rahmen der sonst üblichen Handarbeiten sprengen – es würde Geduld, Ausdauer und viele unzählige Arbeitsstunden erfordern.

Für die Motive entschieden sie sich schließlich für Entwürfe der finnischen Klöppelkünstlerin Eeva-Liisa Kortelahti. Bei einer ersten Besprechung mit Pastor Timo Holtmann wählten sie fünf zentrale Szenen aus Passion und Auferstehung Christi: das Abendmahl, das Gebet am Ölberg, die Kreuzigung, die Auferstehung und die Begegnung mit Maria Magdalena.

Jedes Motiv wurde auf eine einheitliche Größe von etwa 55 × 70 cm gebracht, auf den violetten Unterstoff übertragen und probeweise auf Leinwand „probeliegt“. Danach begann die ernsthafte Arbeit: kopieren, vergrößern, zeichnen, anpassen – bis alles stimmte. Gleichzeitig wurden Garnstärke, Garnmenge und Material berechnet, damit das Tuch harmonisch wirkt und den Altarraum in der Fastenzeit würdig schmücken kann.Diese Phase der Vorbereitung war eine Mischung aus künstlerischer Überlegung, handwerklicher Präzision und tiefer Verbundenheit zum Glauben – getragen von dem Wunsch, ein lebendiges Zeichen der Passion und Auferstehung Christi in die Gemeinde zu bringen.
Klöppelarbeiten

Nach der Auswahl der Motive begann die aufwendige Handarbeit: Für jedes Bild wurden 90 bis 96 Klöppelpaare genutzt, auf die jeweils 1,80 m Leinengarn gewickelt wurden. Insgesamt verarbeiteten Adelheid Dirksmeyer und Elisabeth Engelbert 7 250 m Klöppelgarn für fünf Bildmotive.

Die Motive nahmen langsam Gestalt an – an zwei Orten entstanden parallel zwei Kunstwerke. Mitte September waren die letzten Fäden abgeknotet und jedes Bild mit Fixierstärke behandelt.

Die fertigen Bilder wurden im Chorraum probeweise ausgelegt. Für die Umrandung wurde eine historische Spitze von Christine Mirecki gewählt, neu gezeichnet nach einem Entwurf aus Karlsbad um 1900. Die Namen der Künstlerinnen wurden auf der Rückseite geklöppelt.

In einer vorweihnachtlichen „Nähstube“ im Pfarrheim wurden die Leinenbahnen und Bilder zusammengefügt. Montags bis donnerstags arbeiteten die Frauen bis zu sieben Stunden täglich, bis alles vernäht war. Schließlich wurde das 3,80 × 2,80 m große Hungertuch auf einer Edelstahlstange im Chorraum aufgehängt – bereit, die Fastenzeit in St. Agatha zu begleiten. Ein Werk voller Handwerkskunst, Geduld und Glauben, das die Gemeinde zum Innehalten und Gebet einlädt.
Aufhängung und Wirkung

Im Frühjahr 2016 war es soweit: Das fertige Hungertuch wurde im Chorraum der St. Agatha-Kirche aufgehängt. Auf einer Edelstahlstange und mit seitlicher Befestigung zeigt es die fünf biblischen Szenen in voller Größe und Schönheit.

Während der Fastenzeit verdeckt das Hungertuch den Altarraum und lädt die Gläubigen ein, innezuhalten, zu beten und über das Leiden und die Auferstehung Christi nachzudenken. Es ist ein sichtbares Zeichen der Hingabe und ein lebendiges Glaubenselement, das die alte Tradition der Fastentücher in unsere Gemeinde trägt.

Besucherinnen und Besucher sind berührt von der handwerklichen Präzision und der spirituellen Tiefe – ein Werk, das nicht nur die Augen, sondern auch das Herz anspricht.

Fakten zum Hungertuch in der St.-Agatha-Kirche

Maße und Material:
  • Gesamtabmessung: 3,80 × 2,80 m
  • Motivbildgröße: ca. 0,55 × 0,70 m pro Bild (5 Motive)
  • Unterstoff: violetter Leinenstoff, 15,7 m²
  • Unterlegseide: 6,75 m²
  • Klöppelgarne: 7.250 m (58 Rollen à 25 g, 125 m pro Rolle)
  • Klöppelpaare pro Bild: 90–96
  • Fixierstärke: 100 ml pro Bild

Arbeitsaufwand:
  • Arbeitszeit pro Motiv: ca. 80 Stunden
  • Nadeln pro Motiv: 3.500–4.000 für die Klöppelspitzen
  • Zusätzliche Nadeln für Namenszüge: 820
  • Tägliche Arbeitszeit: Montag–Donnerstag, bis zu 7 Stunden
  • Gesamtarbeitszeit: ca. 2 Jahre
Künstlerische Vorlagen und Gestaltung:
  • Motive: Entwürfe der finnischen Klöppelkünstlerin Eeva-Liisa Kortelahti
  • Szenen: Abendmahl, Ölberg, Kreuzigung, Auferstehung, Begegnung mit Maria Magdalena
  • Umrandungsspitze: Entwurf von Christine Mirecki, inspiriert von Klöppelbriefen um 1900 (Kurort Karlsbad, Böhmen)
  • Vorgehensweise: Kopieren, Vergrößern, Anpassen der Motive auf einheitliche Größe, Probelegung auf Leinwand
Herstellung & Technik
  • Klöppeln auf zwei Klöppelkissen gleichzeitig
  • Garn auf Klöppelrollen aufgewickelt: ca. 1,80 m Garn pro Klöppel
  • Arbeitsschritte: Stecken, Verklöppeln, Zusammenfügen, Abknoten, Fixieren
  • Zusammenfügen der Motivbilder mit Umrandungsborte auf violettem Unterstoff
  • Lagerung: 32 m² Bühnenmolton zum Schutz vor Staub und Licht
Aufhängung und Präsentation:
  • Edelstahlstange mit Seilaufhängung und seitlicher Befestigung
  • Hängt jährlich während der Fastenzeit im Chorraum
  • Ein lebendiges Glaubenselement, das die Gemeinde zum Innehalten, Beten und zur Besinnung auf Ostern einlädt