Das Mettinger Hungertuch
in der Pfarrkirche St. Agatha, Mettingen


Jedes Jahr in der Fastenzeit hängt in unserer Pfarrkirche St. Agatha ein besonderes Kunstwerk: das Hungertuch.
Es ist weit mehr als ein dekoratives Element – es ist ein geistliches Zeichen. Es lädt ein, innezuhalten und über das Leiden und die Auferstehung Jesu Christi nachzudenken.
Sicher haben wir uns schon gefragt, warum Gott seinen einzigen Sohn in die Welt sandte und warum er am Kreuz sterben musste. Die Antwort ist schlicht und tief zugleich: Weil er uns liebt.
„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Joh 3,16)
Seit fast 2000 Jahren bringen Christen dieses Geheimnis in Kunst und Tradition zum Ausdruck – unter anderem durch Fastentücher, auch Hungertücher genannt.
In unserer Pfarrei hängen zwei solcher Werke: seit 1995 in St. Mariä-Himmelfahrt in Schlickelde und seit 2016 in St. Agatha in Mettingen. Beide wurden in sorgfältiger Handarbeit von engagierten Frauen unserer Gemeinden gestaltet und begleiten uns auf dem Weg durch die Fastenzeit hin zum Osterfest.
Es ist weit mehr als ein dekoratives Element – es ist ein geistliches Zeichen. Es lädt ein, innezuhalten und über das Leiden und die Auferstehung Jesu Christi nachzudenken.
Sicher haben wir uns schon gefragt, warum Gott seinen einzigen Sohn in die Welt sandte und warum er am Kreuz sterben musste. Die Antwort ist schlicht und tief zugleich: Weil er uns liebt.
„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Joh 3,16)
Seit fast 2000 Jahren bringen Christen dieses Geheimnis in Kunst und Tradition zum Ausdruck – unter anderem durch Fastentücher, auch Hungertücher genannt.
In unserer Pfarrei hängen zwei solcher Werke: seit 1995 in St. Mariä-Himmelfahrt in Schlickelde und seit 2016 in St. Agatha in Mettingen. Beide wurden in sorgfältiger Handarbeit von engagierten Frauen unserer Gemeinden gestaltet und begleiten uns auf dem Weg durch die Fastenzeit hin zum Osterfest.

Hungertuch in der Kirche St. Mariä-Himmelfahrt, Schlickelde (seit 1995)
Ein geklöppeltes Hungertuch
Das Mettinger Hungertuch verbindet handwerkliche Meisterschaft mit geistlicher Tiefe und lädt die Gemeinde ein, innezuhalten, zu beten und das Geheimnis von Passion und Auferstehung Jesu Christi bewusst zu betrachten.
Für die Herstellung dieses einzigartigen Tuches haben Adelheid Dirksmeyer und Elisabeth Engelbert ihre jahrzehntelange Erfahrung in der Klöppelkunst eingebracht.
Für die Herstellung dieses einzigartigen Tuches haben Adelheid Dirksmeyer und Elisabeth Engelbert ihre jahrzehntelange Erfahrung in der Klöppelkunst eingebracht.

Mit Geduld, Ausdauer und Liebe zum Detail verwandelten sie die Entwürfe in fünf eindrucksvolle biblische Szenen – vom Abendmahl bis zur Begegnung Maria Magdalenas mit dem Auferstandenen.
Das Hungertuch misst 3,80 x 2,80 Meter, besteht aus Leinen und Klöppelspitze und wird jedes Jahr während der Fastenzeit im Chorraum aufgehängt. Es ist ein lebendiges Zeugnis der Tradition der Fastentücher und ein sichtbares Zeichen des Glaubens unserer Gemeinde.
Von der Idee bis zur Entscheidung
Das Hungertuch misst 3,80 x 2,80 Meter, besteht aus Leinen und Klöppelspitze und wird jedes Jahr während der Fastenzeit im Chorraum aufgehängt. Es ist ein lebendiges Zeugnis der Tradition der Fastentücher und ein sichtbares Zeichen des Glaubens unserer Gemeinde.
Bildbetrachtung
Beschreibung, Bibeltext, Bildauslegung und geistlicher Impuls zu den Bildern
(Wenn Sie auf das Bild klicken, öffnet sich ein neue Seite)
Die Geschichte und Bedeutung der Hungertücher
Hungertücher begleiten Gläubige seit Jahrhunderten durch die Fastenzeit. Sie verhüllen den Altarraum als Zeichen der Buße und laden zur Meditation über Leiden, Tod und Auferstehung Christi ein.
Im Mittelalter entwickelten sich Fastentücher zu kunstvollen Werken: Szenen aus dem Leben Jesu oder der Heiligen vermittelten die Heilsgeschichte anschaulich – besonders für Gläubige, die nicht lesen konnten. Ein bekanntes Beispiel aus Westfalen ist das Telgter Hungertuch von 1623.
Im 20. Jahrhundert wurden Hungertücher neu entdeckt: Internationale Bekanntheit erlangten die Misereor-Hungertücher seit 1976, gestaltet von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Einige Exemplare wurden auch in unserer Pfarrei gezeigt und begleiteten thematisch die Fastenzeit.
In der Pfarrei St. Agatha knüpfen die Menschen an diese Tradition an:
Schlickelde: Seit 1995 hängt in St. Mariä Himmelfahrt ein marianisches Hungertuch mit 18 Bildern aus dem Leben Marias, begleitet von Psalmversen. Sechs Frauen der Paramentengruppe und die Textildesignerin Karin Düsing fertigten es über 1½ Jahre aus handgesponnenem Bauernleinen. Von Aschermittwoch bis Karsamstag verdeckt es das große Kreuz im Altarraum und lädt zur Besinnung auf Fasten, Leid und Auferstehung ein.
Mettingen: Zwischen 2014 und 2016 entwarfen Adelheid Dirksmeyer und Elisabeth Engelbert ein Hungertuch für die St. Agatha-Kirche mit fünf Szenen aus Passion und Auferstehung Christi. Auf violettem Unterstoff und mit einer 8,85 m langen Umrandungsspitze lädt es zum Gebet und Innehalten ein.
Beide Tücher verbinden alte Fastentuch-Tradition mit zeitgenössischem Kunsthandwerk und bereichern die Fastenzeit unserer Gemeinde auf besondere Weise.
Im Mittelalter entwickelten sich Fastentücher zu kunstvollen Werken: Szenen aus dem Leben Jesu oder der Heiligen vermittelten die Heilsgeschichte anschaulich – besonders für Gläubige, die nicht lesen konnten. Ein bekanntes Beispiel aus Westfalen ist das Telgter Hungertuch von 1623.
Im 20. Jahrhundert wurden Hungertücher neu entdeckt: Internationale Bekanntheit erlangten die Misereor-Hungertücher seit 1976, gestaltet von Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Einige Exemplare wurden auch in unserer Pfarrei gezeigt und begleiteten thematisch die Fastenzeit.
In der Pfarrei St. Agatha knüpfen die Menschen an diese Tradition an:
Schlickelde: Seit 1995 hängt in St. Mariä Himmelfahrt ein marianisches Hungertuch mit 18 Bildern aus dem Leben Marias, begleitet von Psalmversen. Sechs Frauen der Paramentengruppe und die Textildesignerin Karin Düsing fertigten es über 1½ Jahre aus handgesponnenem Bauernleinen. Von Aschermittwoch bis Karsamstag verdeckt es das große Kreuz im Altarraum und lädt zur Besinnung auf Fasten, Leid und Auferstehung ein.
Mettingen: Zwischen 2014 und 2016 entwarfen Adelheid Dirksmeyer und Elisabeth Engelbert ein Hungertuch für die St. Agatha-Kirche mit fünf Szenen aus Passion und Auferstehung Christi. Auf violettem Unterstoff und mit einer 8,85 m langen Umrandungsspitze lädt es zum Gebet und Innehalten ein.
Beide Tücher verbinden alte Fastentuch-Tradition mit zeitgenössischem Kunsthandwerk und bereichern die Fastenzeit unserer Gemeinde auf besondere Weise.
Geschichte der Hungertücher
Hungertücher begleiten Gläubige seit Jahrhunderten durch die Fastenzeit. Bereits um 895 wird ein gestickter Vorhang erwähnt; um 1000 ist die Altarverhüllung durch das sogenannte velum templi belegt. Der Theologe Wilhelm Durandus von Mende (+1296) schrieb, dass das Tuch den Vorhang symbolisiert, der die Bundeslade verhüllte und beim Leiden Christi zerriss.
Das Tuch hängt meist während der gesamten Fastenzeit (Quadragesima) im Chorraum und wird daher auch velum quadragesimale – „Tuch der 40 Tage“ – genannt. Früher trennte es die Gemeinde optisch vom Altarraum – ein Zeichen der Buße und des sogenannten „Fastens der Augen“. Symbolisch verweist es auf die vorübergehende Verhüllung Jesu und das Geheimnis von Leid, Tod und Auferstehung.
Ursprünglich waren Fastentücher schmucklos aus Leinen oder Seide gefertigt. Ab dem 12. Jahrhundert kamen Bildmotive aus der Heilsgeschichte hinzu, die Szenen aus Leben Jesu, der Heiligen oder regional bedeutsamer Figuren zeigten. Dies vermittelte die Bibelbotschaft auch an Menschen, die nicht lesen konnten.
Bekannte Beispiele:
- Freiburger Fastentuch (10 × 12 m, über eine Tonne schwer)
- Gurker Fastentuch (1458, 99 horizontal angeordnete Einzelmotive)
In Westfalen und Niedersachsen entstanden textile Mosaike aus Leinen und Stickerei, die künstlerische Gestaltung mit liturgischer Funktion verbanden. Heute verdecken Hungertücher weiterhin Altar und Kreuze, verbinden Tradition mit zeitgenössischer religiöser Kunst und machen das Geheimnis von Leid, Tod und Auferstehung Christi sichtbar.
Das Tuch hängt meist während der gesamten Fastenzeit (Quadragesima) im Chorraum und wird daher auch velum quadragesimale – „Tuch der 40 Tage“ – genannt. Früher trennte es die Gemeinde optisch vom Altarraum – ein Zeichen der Buße und des sogenannten „Fastens der Augen“. Symbolisch verweist es auf die vorübergehende Verhüllung Jesu und das Geheimnis von Leid, Tod und Auferstehung.
Ursprünglich waren Fastentücher schmucklos aus Leinen oder Seide gefertigt. Ab dem 12. Jahrhundert kamen Bildmotive aus der Heilsgeschichte hinzu, die Szenen aus Leben Jesu, der Heiligen oder regional bedeutsamer Figuren zeigten. Dies vermittelte die Bibelbotschaft auch an Menschen, die nicht lesen konnten.
Bekannte Beispiele:
- Freiburger Fastentuch (10 × 12 m, über eine Tonne schwer)
- Gurker Fastentuch (1458, 99 horizontal angeordnete Einzelmotive)
In Westfalen und Niedersachsen entstanden textile Mosaike aus Leinen und Stickerei, die künstlerische Gestaltung mit liturgischer Funktion verbanden. Heute verdecken Hungertücher weiterhin Altar und Kreuze, verbinden Tradition mit zeitgenössischer religiöser Kunst und machen das Geheimnis von Leid, Tod und Auferstehung Christi sichtbar.
Fastentücher im Münsterland
In Westfalen und Münsterland entwickelten sich eigene Fastentuch-Traditionen. Die Werke bestehen meist aus Leinen, auf dem biblische Szenen in Stickerei dargestellt und zu einem textilen Mosaik verbunden werden.
Beispiel Telgter Hungertuch (1623): Gestiftet von Henrich Vos und Catarina Droste, von adligen Damen in aufwendiger Filetstopfarbeit gefertigt. Bis 1905 hing es jährlich in der Pfarrkirche St. Clemens in Telgte.
Weitere historische Werke entstanden in Everswinkel, Alverskirchen, Vreden, Freckenhorst und im Kloster Marienfeld. Sie verbinden künstlerische Gestaltung mit katechetischer Funktion und machen die Heilsgeschichte anschaulich.
Beispiel Telgter Hungertuch (1623): Gestiftet von Henrich Vos und Catarina Droste, von adligen Damen in aufwendiger Filetstopfarbeit gefertigt. Bis 1905 hing es jährlich in der Pfarrkirche St. Clemens in Telgte.
Weitere historische Werke entstanden in Everswinkel, Alverskirchen, Vreden, Freckenhorst und im Kloster Marienfeld. Sie verbinden künstlerische Gestaltung mit katechetischer Funktion und machen die Heilsgeschichte anschaulich.

Misereor-Hungertuch 2025 "Gemeinsam träumen -Liebe sei Tat" von Konstanze Trommer (c) Misereor
Misereor-Hungertücher
Seit 1976 gibt Misereor Hungertücher in Auftrag. Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt gestalten Werke zu Themen wie Glaube, Gerechtigkeit und globale Verantwortung.
Im Unterschied zu den traditionellen Fastentüchern steht hier nicht die Verhüllung des Altars, sondern die inhaltliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen im Mittelpunkt. Die Werke laden zu Reflexion, Gebet und Engagement ein.
Einige Exemplare wurden auch in unserer Pfarrkirche gezeigt. Während der Coronazeit entstanden aus Hungertüchern Taschen und Beutel für caritative Zwecke.
Im Unterschied zu den traditionellen Fastentüchern steht hier nicht die Verhüllung des Altars, sondern die inhaltliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen im Mittelpunkt. Die Werke laden zu Reflexion, Gebet und Engagement ein.
Einige Exemplare wurden auch in unserer Pfarrkirche gezeigt. Während der Coronazeit entstanden aus Hungertüchern Taschen und Beutel für caritative Zwecke.
Hungertücher in der Pfarrei St. Agatha
In unserer Pfarrei wird die Tradition der Hungertücher lebendig gepflegt – sowohl in Schlickelde als auch in Mettingen.
Schlickelde: Seit 1995 hängt in St. Mariä Himmelfahrt ein marianisches Fastentuch mit 18 Bildern und Psalmversen. Sechs Frauen der kfd und die Textildesignerin Karin Düsing fertigten das 23 m² große Tuch in über 1½ Jahren aus handgesponnenem Bauernleinen in Toledo-Sticktechnik. Von Aschermittwoch bis Karsamstag verdeckt es das Kreuz im Altarraum und lädt zur Besinnung auf Fasten, Leid und Auferstehung ein.
Schlickelde: Seit 1995 hängt in St. Mariä Himmelfahrt ein marianisches Fastentuch mit 18 Bildern und Psalmversen. Sechs Frauen der kfd und die Textildesignerin Karin Düsing fertigten das 23 m² große Tuch in über 1½ Jahren aus handgesponnenem Bauernleinen in Toledo-Sticktechnik. Von Aschermittwoch bis Karsamstag verdeckt es das Kreuz im Altarraum und lädt zur Besinnung auf Fasten, Leid und Auferstehung ein.
Mettingen: Zwischen 2014 und 2016 entstand ein weiteres Fastentuch für die Pfarrkirche St. Agatha. Adelheid Dirksmeyer und Elisabeth Engelbert entwarfen fünf Bildmotive aus Passion und Auferstehung Christi auf violettem Unterstoff, umrahmt von einer 8,85 m langen Spitze. Für die Herstellung wurden 7.250 m Klöppelgarn und mehrere tausend Stecknadeln verwendet. Auch dieses Tuch wird jährlich aufgehängt und verdeckt den Hochaltar – ein sichtbares Zeichen lebendiger Tradition und Einladung zum Gebet.
Beide Tücher verbinden alte Fastentuch-Tradition mit zeitgenössischem Kunsthandwerk und bereichern die Fastenzeit in unserer Gemeinde auf besondere Weise.
Beide Tücher verbinden alte Fastentuch-Tradition mit zeitgenössischem Kunsthandwerk und bereichern die Fastenzeit in unserer Gemeinde auf besondere Weise.
Fazit
Die Hungertücher in Mettingen und Schlickelde zeigen eindrucksvoll, wie historische Tradition und zeitgenössisches Kunsthandwerk verbunden werden. Sie bereichern die Fastenzeit in unserer Pfarrei, machen das österliche Geheimnis spürbar und laden zur Besinnung ein.
Buchtipp:
Dr. Alois Döring: Fastenzeitliche Verhüllungen im sakralen Raum – Fastentücher und -installationen in Rheinland und Westfalen im 20. und 21. Jahrhundert, Waxmann-Verlag 2022. Die Hungertücher aus Mettingen und Schlickelde werden darin vorgestellt.
Text: Claudia Keller



